Multisystematropie (MSA) – eine seltene, aber schwerwiegende Nervenerkrankung

Einblicke in Ursachen, Diagnose und Fortschritte in der Forschung.

Was ist Multisystemathropie (MSA)?

Neurodegenerative Erkrankungen wie Morbus Parkinson und Multisystematrophie (MSA) sind Krankheiten, bei denen nach und nach Nervenzellen im Gehirn absterben. Dies führt zu verschiedenen Problemen, vor allem bei der Bewegung und Kontrolle des Körpers.

Bei beiden Krankheiten spielt wahrscheinlich die Anhäufung und Aggregation eines bestimmten Eiweißes (alpha-Synuclein) in den Nervenzellen eine wichtige Rolle.

MSA stellt eine atypische Form von Parkinson dar. Sie hat eine Prävalenz von 4 bis 5 Fällen pro 100.000 Einwohner und ist somit seltener, zeigt aber einen schneller fortschreitenden Krankheitsverlauf als die Parkinson-Krankheit.

Auch hier sterben Nervenzellen ab, es sind aber ausgedehntere Bereiche des Gehirns und mehr verschiedene Arten von Gehirnzellen betroffen. Dies führt zu einer Kombination von Symptomen, die sowohl das Bewegungssystem als auch das autonome Nervensystem betreffen.

Eine Diagnose basiert weitgehend auf klinischen Untersuchungen und bildgebenden Verfahren. In der Hirnbildgebung (cMRI, cCT) können strukturelle Veränderungen im Kleinhirn, Hirnstamm oder Basalganglien vorhanden sein. Im Gegensatz zu vielen anderen neurodegenerativen Erkrankungen hat MSA einige wenige klar definierte Merkmale, die die klinische Bewertung unterstützen und dazu beitragen, eine klarere Diagnose für den Patienten zu stellen.

Wie äußert sich MSA?

Typische Symptome

Üblicherweise äußert sich eine Funktionsstörung des autonomen Nervensystems in Störungen

  • der Blasenfunktion
  • der Erektionsfunktion
  • der Darmmobilität
  • der Regulierung von Blutdruck und Körpertemperatur
Parkinson-ähnliche Symptome

Diese treten häufig zusätzlich auf, wie beispielsweise:

  • Langsamkeit der Bewegung
  • Steifigkeit der Muskeln

Häufig sind auch Störungen der Kleinhirnfunktion mit Störung der Koordination, fortschreitendem Gleichgewichtsverlust oder Sprachstörungen.

Störungen im Denken und Gedächtnis (kognitive Störungen) sind eher selten

Voranschreiten und Häufigkeit von MSA

Je nach Symptomatik wird zwischen MSA-P (Parkinson-Typ MSA) mit überwiegend Parkinson-Symptomen und MSA-C (Kleinhirn-Typ MSA) mit überwiegend Kleinhirndysfunktion unterschieden. Die beiden klinischen Manifestationen MSA-P und MSA-C treten im Verhältnis drei zu zwei auf.

Etwa 4-5 von 100.000 Menschen leiden an MSA. Die Krankheit beginnt typischerweise im Erwachsenenalter, meist zwischen 50 und 60 Jahren. Männer und Frauen sind etwa gleich stark betroffen und unterscheiden sich nicht im klinischen Verlauf. Bislang gibt es keine Heilung und keine spezifische medikamentöse Behandlung für MSA. Die mittlere Überlebenszeit nach der Diagnose beträgt sechs bis zehn Jahre.

Wie wird MSA behandelt?

Medikamente und unterstützende Therapien können motorische Symptome lindern, jedoch gibt es bisher keine Heilung. Der behandelnde Neurologe kann einen individuellen Therapieplan erstellen, der auf die spezifischen Bedürfnisse des Patienten zugeschnitten ist. Dieser Plan kann verschiedene Behandlungsmöglichkeiten umfassen:

Medikamentöse Therapie:
Arzneimittel wie Levodopa können helfen, den Dopaminmangel auszugleichen und Bewegungssymptome zu verbessern.

Physiotherapie:
Regelmäßige Übungen zur Verbesserung von Beweglichkeit und Gleichgewicht.

Ergotherapie:
Unterstützt bei der Bewältigung von Alltagsaktivitäten und Anpassung des Lebensumfelds.

Logopädie:
Hilft bei Sprech- und Schluckproblemen.

Unsere Fortschritte in der Forschung

Unser Wirkstoffkandidat Emrusolmin (anle138b, TEV-56286) für MSA

Vor der Anwendung am Menschen

Umfangreiche Laborversuche mit weltweit führenden Wissenschaftlern, um die Wirkmechanismen zu verstehen

Phase 1

Ablauf
  • Phase 1a
    Erste Anwendung an gesunden Teilnehmern
  • Phase 1b
    Erste Testung an Patienten
  • DDI-Studie
    Überprüfung, ob das Medikament mit anderen Arzneimitteln wechselwirkt

Wirkstoffverhalten im Körper

  • Einnahme als Kapsel, Halbwertszeit von ~12 Stunden, Mahlzeiten beeinträchtigen die Wirkspiegel nicht
  • Wirkspiegel: Blutkonzentrationen erreichen Werte, die in Tiermodellen effektiv waren

Sicherheit

  • Kein spezifisches Nebenwirkungsmuster erkennbar
  • Keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse sind aufgetreten

Phase 2

TOPAS-MSA-Studie
(Targeting Oligomer Pathology of Alpha-Synuclein in MSA)

  • Wirkstoffkandidat
    Emrusolmin (anle138b, TEV-56286)
  • Zufällige Gruppeneinteilung
    (Medikament vs. Placebo)
  • Doppelblind
    weder Patienten noch Ärzte wissen, wer das Medikament und wer das Placebo bekommt
  • 48 Wochen Hauptstudie
    und anschließende offene Verlängerungsphase

Zielvariablen

  • Primärer Endpunkt
    Veränderung im UMSARS-Symptomscore: Ob sich der Gesundheitszustand hinsichtlich der Beweglichkeit und Alltagsfähigkeiten verbessert hat
  • Weitere Endpunkte
    Andere klinische Messwerte, Biomarker, Sicherheit und Verträglichkeit

Emrusolmin (anle138b) befindet sich aktuell in der klinischen Phase 2. Präklinische Studien zeigten eine signifikante Verringerung der alpha-Synuclein-Aggregation und eine Verbesserung der motorischen Symptome in Tiermodellen.

Unsere innovativen Forschungsansätze an der Schnittstelle von Molekularbiologie und Medizin eröffnen neue Perspektiven in der Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen. Durch die gezielte Modulation pathologischer Proteinaggregate streben wir danach, den Verlauf von Synucleinopathien wie Morbus Parkinson und MSA grundlegend zu verändern. Unsere Arbeit ist mehr als Forschung – sie ist ein Versprechen an Patienten und ihre Angehörigen, unermüdlich nach Lösungen zu suchen, die das Leben von Millionen Menschen verbessern könnten.